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BESPRECHUNG
TERRA ASTRA


Terra Astra

Terra Astra Nr. 379
Hubert Haensel:
Das Geisterschiff


Verschollen in der Unendlichkeit – Terraner in der Gewalt von Androiden

Pabel-Moewig, November 1978

Titelbild: Eddie Jones
(c) Pabel-Moewig Verlag GmbH, Rastatt

 

Im Weltraum kommt es zu einer gespenstischen Begegnung: Dem altersschwachen Frachtraumer MADELEINE nähert sich ein unbekanntes Raumschiff gleichen Typs. Bald darauf scheinen Unsichtbare an Bord der MADELEINE zu wandeln. Dann fällt die gesamte Besatzung in Ohnmacht, und ein Mann in einem Raumanzug kommt an Bord und nimmt einige Manipulationen am Bordcomputer vor. Der Mann ähnelt dem Kommandanten wie ein Zwilling, nur wirkt er älter und erfahrener. Der nächste Hypersprung misslingt und verschlägt die MADELEINE in ein zweitausend Lichtjahre entferntes System mit einer kleinen gelben Sonne und drei Planeten. Auf der Suche nach Rohstoffen für die Reparatur des Hyperantriebs landen sie auf einem der Planeten, der zunächst unbewohnt erscheint. Doch dort lebt im Untergrund ein Volk von Androiden, die Photiden. Vor Tausenden von Jahren beherrschte das Imperium der Photiden die Galaxis, und nun wollen sie die MADELEINE in Besitz nehmen, um erneut den Krieg in die Galaxis hinaus zu tragen. Doch es gibt auch friedfertige Photiden, die den terranischen Raumfahrern helfen. Die Odyssee der MADELEINE und ihrer Besatzung ist noch nicht zuende.

Dies ist der Erstlingsroman des damals 25-jährigen späteren Perry-Rhodan-Autors, der seinerzeit, und noch lange danach, hauptberuflich als Bankkaufmann im schönen Fichtelgebirge arbeitete und nebenbei in seiner Freizeit Science-Fiction-Romane schrieb. Ob seine Kunden, die ihm bei Immobilienberatungen oder ähnlichen hochwichtigen Angelegenheiten gegenüber saßen, etwas von diesem Hobby geahnt haben?

Hubert hat im "Perry Rhodan Magazin" einmal erzählt, wie es war, als er nach mehreren missglückten Manuskripten einen letzten Versuch unternehmen wollte, als Schriftsteller Fuß zu fassen, und "Das Geisterschiff" beim Pabel-Verlag einreichte: "Meine Frau hätte sicher nicht mehr lange zugesehen, wie ich mich in jeder freien Minute abquälte und doch nichts Brauchbares zuwege brachte." Der Antwortbrief des Verlags erreichte den Jungautor, der auch aktives Elferratsmitglied war, was, wie ich höre, im Fichtelgebirge nichts Ungewöhnliches ist, ausgerechnet am Faschingsdienstag: Der Roman war angenommen, sollte nur noch vom Autor überarbeitet und gekürzt werden. "Es gab in den folgenden Wochen nichts, was ich lieber getan hätte", sagte Hubert im Interview.

Der Roman erschien noch um selben Jahr als Nr. 379 der Terra-Astra-Reihe, ein Jahr später stieg Hubert als Teamautor bei der Perry-Rhodan-Ablegerserie "Atlan" ein, später auch in die Perry-Hauptserie, für die er auch heute noch als einer der beliebtesten Autoren und als Redakteur arbeitet. So ist er zum Beispiel für die Bearbeitung der so genannten Silberbände zuständig, Redakteur des alle vier Wochen erscheinenden Perry-Rhodan-Reports und der Risszeichnungs-Seiten und bisher alleiniger Autor der "Perry Rhodan Kosmos-Chroniken".

Den ersten Roman des noch unerfahrenen Hubert Haensel aus dem Jahr 1978 heute noch einmal zu lesen, macht Spaß: Es ist eine Seefahrergeschichte als Weltraumabenteuer, und zusammen mit der tapferen Raumschiffbesatzung begegnen wir nicht nur einem Geisterschiff und stranden auf einem unbekannten Planeten, es verschlägt uns auch in weite Ferne durch Raum und Zeit. Zwar ahnt der erfahrene SF-Leser, worauf das alles hinausläuft. Doch will er auch wissen, ob es am Ende genauso kommt.

"Das Geisterschiff" war ein schöner Anfang, und zum Glück hat Hubert, nun einer der erfahrensten Autoren deutscher Serienliteratur, so weitergemacht. Wenn ich einen Hubert-Haensel-Roman lese, dann habe ich immer das Gefühl, dies ist Routine im besten Sinne: Er macht sich nicht einfach an die Abarbeitung, sondern er kann einfach gut schreiben.



Text: (c) Olaf Brill
Veröffentlicht am 15. September 2011