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BESPRECHUNG
PERRY RHODAN


Perry Rhodan

Perry Rhodan Nr. 2376
Leo Lukas:
Tolle Tage in Terrania


Die Hauptstadt der Erde steht kopf – mysteriöse Vorgänge in der Thora Road

Pabel-Moewig, Februar 2007

Titelbild: Dirk Schulz
(c) Pabel-Moewig Verlag GmbH, Rastatt

 

Gegen Ende des Jahres 1345 Neuer Galaktischer Zeitrechnung werden die Planeten der Milchstraße von den Chaosmächten belagert. Das Sonnensystem ist durch den Terranova-Schirm vom Rest der Galaxis abgeschirmt. Dennoch geht das Leben auf der Erde weiter. Menschen und Außerirdische gehen ihren alltäglichen Geschäften nach. Terrania, die Hauptstadt der Erde, ist eine Stadt, die niemals schläft. Inmitten all des Trubels lebt der Xeno-Psychologe Hajmo Siderip. Gerade als er erkennt, dass sein Beruf eine Sackgasse und sein Privatleben im Arsch ist, lernt er die flippige junge Journalistin Darasalaanaghinta Mitchu kennen, genannt Sparks, die einer großen Sache auf der Spur ist: Es beginnt mit einem Mann im Bademantel, der auf das Denkmal der Stardust-Rakete im Gobi-Park klettert und vor jemand oder etwas namens Escher warnt: "Escher ist gefährlich." Daraufhin erscheinen zwei geheimnisvolle, ganz in Schwarz gekleidete Männer und nehmen den offenbar Verwirrten mit sich. Als weitere solcher Vorfälle geschehen, beginnt Sparks nach "Escher" zu recherchieren: Da ist ein graues Gebäude in der Thora Road, an dessen Eingang eine Tafel mit der Aufschrift "Escher" hängt. Doch dort geht nie jemand ein oder aus. Das Gebäude ist von Hajmos Wohnung aus genau zu sehen. Und so quartiert sich Sparks bei ihm ein, um das Geheimnis um "Escher" zu lösen.

Leo Lukas ist ein vielseitiger österreichischer Kabarettist, der als Jugendlicher auch Perry Rhodan gelesen hat und seit nunmehr zehn Jahren zu den Stammautoren der Serie gehört. Wer ihn einmal auf der Bühne erlebt oder einen seiner Texte gelesen hat, der weiß: Leo ist stets eloquent, charmant und oft schreiend komisch, sprühend vor Sprachwitz und überbordender Phantasie. Seine Werke sind so voller Anspielungen auf Popkultur, Wissenschaft, Science Fiction, Fußball, Rockmusik und wasweißichnochalles, dass man sie eigentlich mit Annotationen versehen müsste, um alles zu verstehen.

Das Tolle aber an Leos Romanen ist: Sie kommen so leicht daher, dass das Lesen einfach Spaß macht. "Tolle Tage in Terrania" ist mein Lieblingstext aus seinem Repertoire. Da schafft Leo es mit ein paar kleinen Wörtern typische Perry-Atmosphäre zu zaubern: Thora Road, Stardust-Denkmal, Zentrumspest! Und gleichzeitig funktioniert dieser Roman völlig unabhängig davon, wie viel du schon von der Serie gelesen hast.

Mitten in einem düsteren Zyklus erleben wir hier ein Feuerwerk aus dem brodelnden Leben der Hauptstadt der Erde, mit lebensnahen und sympathischen Hauptfiguren, wie ich sie mag: Da ist auf der einen Seite der etwas gehemmte Wissenschaftler Hajmo Siderip (was für ein perry-typischer Name übrigens!), der zu Beginn des Romans merkt, dass in seinem Leben eigentlich alles verkehrt läuft. Und auf der anderen Seite die energiegeladene Reporterin Sparks, die ein paar Funken in Hajmos tristes Dasein sprüht (nomen est omen).

So kommt es zu einer zärtlichen, doch zeitlich begrenzten Romanze, und mittendrin ist das ungleiche Paar noch einem großen Geheimnis auf der Spur. Manche Perry-Leser nennen solche Romane "Lückenfüller", da alles, was darin für die Haupthandlung des laufenden Zyklus "relevant" ist, die Einführung der Wesenheit "Escher" ist. Doch so wie das Escher-Geheimnis hier präsentiert wird, so will ich das lesen, und ein solcher Roman ist mir wertvoller als der ganze Rest des Zyklus. Offen gesagt, ich kenne keinen besseren Perry-Rhodan-Roman als "Tolle Tage in Terrania".

Allein der Wechsel der Perspektive ist so wunderbar gelungen: Hier sind es einmal nicht Perry und seine Jungs, die die Handlung vorantreiben und mit Escher die Galaxis retten, sondern im Gegenteil: Escher scheint ein gefährliches Objekt zu sein, die Regierung ist da offenbar in eine Riesen-Schweinerei verstrickt, und wir erleben die Handlung aus der Sicht normaler Menschen. Ist Escher wirklich gefährlich? Wer sind die geheimnisvollen "Männer in Schwarz"? Und was will die Regierung vor der Weltöffentlichkeit verbergen? All das macht auch Lust auf mehr, in beide Richtungen: Wie ist es eigentlich zu der Gefahr gekommen, in der die Erde da schwebt, was ist also in den vorangegangen Romanen geschehen? Und wie geht es weiter? Atemlos starren wir auf der letzten Seite auf die Ankündigung des Romans der Folgewoche mit dem schlichten Titel: ESCHER.



Text: (c) Olaf Brill
Veröffentlicht am 15. September 2011